Rote Listen

Datenquellen

Die in FloraWeb vorgehaltenen Informationen über die Gefährdung entstammen der Roten Liste der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands von 1996, die Bestandteil der Datenbank Gefäßpflanzen des Bundesamtes für Naturschutz ist, sowie den nach 1996 erschienenen Roten Listen der Bundesländer. Die bundesweite Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen beinhaltet die folgenden Gefährdungskategorien:
0 ( = ausgestorben oder verschollen): Arten, die im Bezugsraum verschwunden sind (keine wildlebenden Populationen mehr bekannt).
1 ( = vom Aussterben bedroht): Arten, die so schwerwiegend bedroht sind, daß sie voraussichtlich aussterben werden, wenn die Gefährdungsursachen fortbestehen.
2 ( = stark gefährdet): Arten, die erheblich zurückgegangen oder durch laufende bzw. absehbare menschliche Einwirkungen erheblich bedroht sind.
3 (= gefährdet): Arten, die merklich zurückgegangen oder durch laufende bzw. absehbare menschliche Einwirkungen bedroht sind.
G ( = Gefährdung anzunehmen): Arten, die sehr wahrscheinlich gefährdet sind.
R ( = extrem selten): Seit jeher extrem seltene bzw. sehr lokal vorkommende Arten.
Zur Kennzeichnung nicht in die Rote Liste aufzunehmender Arten können folgende weitere Kategorien angewendet werden:
V (= zurückgehend, Art der Vorwarnliste): Arten, die merklich zurückgegangen sind, aber aktuell noch nicht gefährdet sind.
D (= Daten mangelhaft): Die Informationen zu Verbreitung, Biologie und Gefährdung einer Art sind zu unzureichend, um sie in eine Kategorie einstufen zu können.

Im Unterschied zu der bundesweiten Roten Liste existiert in den Listen einiger Bundesländer bisher noch die Kategorie 4 ("potentiell gefährdet"). Diese Kategorie, die keine akute Bedrohung, sondern eine hohe Anfälligkeit für Aussterben oder Ausrottung infolge nur geringer Verbreitung und Populationsgröße der Art beschreiben soll, entspricht nur in eingeschränktem Maße der Bundeslisten-Kategorie R ("sehr selten"), da für die Einstufung in diese Kategorie in den Roten Listen der einzelnen Bundesländer verschiedene Grade der Seltenheit vorausgesetzt wurden.

Die Gefährdung der Farn- und Blütenpflanzen der Roten Liste Deutschlands kann sehr verschiedene, aber oftmals miteinander wechselwirkende Ursachen haben. So sind in der Auswertung der Roten Liste des Bundesamtes für Naturschutz (1998) den Arten 69 Gefährdungsfaktoren aus 17 Bereichen zugeordnet, denen meistens auch Verursacherguppen entsprechen. Zur Verdeutlichung von Entwicklungstrends wurde differenziert, ob eine Gefährdungsursache nur vor 1988 wirkte oder bis heute anhält.

Die Gefährdung in Europa und weltweit richtet sich nach der weltweiten, (IUCN 1998), europäischen (IUCN 1983) und zentraleuropäischen Roten Liste (Schnittler & Günther 1999). In weiten Teilen ihres Verbreitungsgebietes gefährdeten Arten kommt dabei eine größere Schutzwürdigkeit zu als weltweit ungefährdeten. Da die Gefährdungskategorien und deren Bezeichnung in den internationalen Roten Listen von denen der Roten Liste Deutschlands etwas abweichen, werden nachfolgend beide Kategoriensysteme angegeben. Folgende Gefährdungsklassen werden unterschieden:

8: weltweit vom Aussterben bedroht: Gefährdungskategorien 0-2 (Ex, Ex/E, E bei IUCN 1998)
7: weltweit gefährdet: Kategorien 3, R, G (V, R, I bei IUCN 1998)
6: europaweit vom Aussterben bedroht: Kategorien 0-2 (Ex, Ex/E, E bei IUCN 1983)
5: europaweit gefährdet: Kategorien 3, R, G (V, R, T, I bei IUCN 1983 und * bei Schnittler & Günther)
4: zentral-europaweit vom Aussterben bedroht: Kategorien 0, 1 (Ex, CR bei Schnittler & Günther)
3: zentral-europaweit stark gefährdet: Kategorie 2 (En bei Schnittler & Günther)
2: zentral-europaweit gefährdet: Kategorien 3, R, G (V, R, I bei Schnittler & Günther)
1: zentral-europaweit ungefährdet: in keiner dieser Roten Listen enthalten

Im Rahmen des F+E-Projektes Schutzrelevanz wurden zur Ermittlung der Verantwortlichkeit Deutschlands für eine Art sechs Kriterien kombiniert.

Die Bestandsentwicklung bildet ein wesentliches Kriterium für die Einstufung einer Art in eine Gefährdungskategorie der Roten Liste. Sie wird durch die Veränderung des Areals (Arealdynamik) im letzten Jahrhundert widergespiegelt. Da flächendeckende Angaben dazu nicht vorliegen, konnte sie nur aus der ehemaligen und aktuellen Verbreitung abgeleitet werden, wie sie in den Atlanten der Floristischen Kartierung von Deutschland (Haeupler & Schönfelder 1988, Benkert 1996), den Niederlanden (Mennema et al. 1980, 1985; Mejden et al. 1989) und Großbritannien (Perring & Walters 1993) wiedergegeben wird. Je stärker dabei die Arealverkleinerung (der Rückgang) ist, desto höher ist auch die Schutzpriorität. Die Daten für FloraWeb wurden im Rahmen des F+E-Projektes Schutzrelevanz ermittelt.

Folgende Klassen werden unterschieden:
6: starker Rückgang
5: Rückgang
4: Konstanz ODER Zunahme = Rückgang
3: natürliche Zunahme
2: vereinzelte nicht-natürliche Zunahme
1: mehrfache meist nicht-natürliche Zunahme

 


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